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Fetischismus

Als Fetischismus - von lat. facticius, (nachgemacht) bzw. facere (machen), in der Folge von port. feitiço (Zauberei, Hexerei) bzw. dem Adjektiv feitiço (unecht, künstlich, nachgemacht) - wird im Bereich der Sexualität eine Fixierung auf einen unbelebten Gegenstand, den so genannten Fetisch bezeichnet. Dieser dient als Ersatzobjekt für den gewöhnlichen Sexualakt mit Partner und stellt dabei die wichtigste oder einzige Quelle sexueller Erregung dar.

Definition
Der Begriff Fetischismus wird in verschiedenen Kontexten in unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht: Dabei gibt es z.T. erhebliche Unterschiede zwischen dem umgangssprachlichen Gebrauch des Wortes, dem Begriff in der Sprache der Fetischszene und dem medizinisch-psychologischen Terminus.

In weiten Teilen der psychologisch-medizinischen Fachwelt wird eine Sexualpäferenz auf unbelebte Gegenstände in der Regel nicht mehr als Krankheit oder behandlungsbedürftige Störung betrachtet. Der Begriff Fetischismus wird nur in den Fällen verwendet, in denen die Sexualpräferenz auf unbelebte Gegenstände als behandlungsbedürftig erachtet wird. Das ist nur dann der Fall, wenn über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten entsprechende sexuelle Fantasien oder dranghafte Verhaltensweisen auftreten und der Betroffene darunter leidet und in mehreren Funktionsbereichen eingeschränkt wird oder eine andere Person dabei Schaden nimmt. Erst damit wird (laut ICD-10; Schlüssel F65.0) von einer (behandlungsbedürftigen) Unterform einer Störung der Sexualpräferenz bzw. (nach DSM-IV; Schlüssel 302.81) von einer Paraphilie gesprochen. Der Begriff Fetischismus bezeichnet also in diesem Kontext nur eine zu behandelnde Störung. Die nicht zu behandelnde Fixierung auf unbelebte Gegenstände wird nicht von dem Terminus Fetischismus abgedeckt.

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Fetischismus ist die Verlagerung des sexuellen Ziels von einem lebenden Menschen des anderen Geschlechts auf etwas anderes, das als Ersatz für diesen Menschen dient, z.B. auf einen Körperteil, ein Kleidungsstück, ein anderes Objekt oder auf eine Eigenschaft. Im Wort Fetischismus steckt "Fetisch" [lat. factitius = von magischer Kraft]. Die ursprüngliche Bedeutung war also ein magischer Gegenstand, der eine Naturgewalt darstellte und ersetzte wie z.B. die Fruchtbarkeit, Potenz, Zeugungskraft.

Aus sexualmedizinischer Sicht zählt er zu den so genannten sexuellen Variationen, die man einteilen kann in ungewöhnliche (abnorme) Sexualobjekte (zu denen der Fetischismus zählt) und ungewöhnliche (abnorme) Sexualpraktiken (z. B. Exhibitionismus, Sadismus, Frotteurismus). Meist bei Männern als heterosexueller oder homosexueller Fetischismus. Fetischistische Tendenzen können sich auch bei gehemmten Jugendlichen und Männern zu Beginn ihrer sexuellen Aktivitäten zeigen.

Nimmt der Fetischismus einen zwanghaften Charakter an, handelt es sich um eine krankhafte Störung, die möglicherweise behandlungsbedürftig ist. Sexuelle Erregung lässt sich in diesen Fällen nur über den Fetisch erreichen, bezieht sich jedoch nicht mehr auf den Partner oder die Partnerin. Es prägt sich eine zunehmende Besessenheit aus. Richard von Krafft-Ebing beschreibt den Fetischismus als krankhafte Erscheinung, die dazu führt, dass Sexualität ohne Fetisch nicht möglich ist oder zumindest als unbefriedigend erlebt wird.

Es sind schwere, fortschreitende Verlaufsformen möglich, die die Persönlichkeit nach Art einer suchtähnlichen Verfallenheit prägen - mit allen Folgen für den weiteren Lebenslauf.

 

Entstehung des Fetischismus nach Freud

Nach Freud besteht der Fetischismus darin, einem materiellen Gegenstand geheimnisvolle Macht zuzuschreiben und ihn zu verehren. Der von Marx beschriebene Warenfetischismus unterscheidet sich aber von dem von Freud hauptsächlich untersuchten Fetischismus in der Sexualität. Freud beobachtete, dass die Anhängerinnen und Anhänger eines Fetischismus ihren Fetisch nicht als Leidenssymptom empfinden und meist mit ihrem Fetisch recht zufrieden sind. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Gegenstand, dem die Fähigkeit zu sexueller Stimulans zugeschrieben wird, als Fetisch erkannt wird. Es handelt sich hier also um eine Form von bewusstem Fetischismus.

Die Entstehung des Fetischismus ist mit der so genannten phallischen Phase der Entwicklung des Knaben (!) verbunden. Laut Freud weigert sich dieser, die Tatsache seiner Wahrnehmung zur Kenntnis zu nehmen, dass das Weib keinen Penis besitzt (Freud 1999: 384). Er verleugnet den Fakt, dass das Weib - seine Mutter - penislos ist. Die Verleugnung ist in diesem Sinne als Abwehrmechanismus des Ichs zu verstehen, durch den sich das Ich weigert, die Realität einer traumatisierenden Wahrnehmung (z.B. Penislosigkeit der Frau) anzuerkennen. Jedoch wird die Wahrnehmung nicht gänzlich ausgelöscht, sondern es bleiben vielmehr zwei parallele Wahrnehmungen im Knaben bestehen. Auf der einen Seite die Wunschvorstellung, dass die Mutter - das Weib - doch einen Penis besitze, auf der anderen die reale Wahrnehmung, dass die Frau penislos ist. Dieser innere Zwiespalt führt zur Ich-Spaltung. Freud betont, dass diese „Ich-Spaltung nicht bloß eine Eigentümlichkeit des Fetischismus sei, sondern tatsächlich in vielen anderen Situationen angetroffen wird, in denen das Ich mit der Notwendigkeit konfrontiert ist, eine Abwehr aufzubauen, und das die Ich-Spaltung nicht nur bei der Verleugnung, sondern auch bei der Verdrängung vorkommt“ (Freud 1999: 91ff). Mit der stattgefundenen Verdrängung (warum hier Freud jetzt von Verdrängung und nicht von Verleugnung spricht, ist unklar) geht auch die Entfremdung gegen das wirkliche weibliche Genital einher, die man laut Freud, bei keinem Fetischisten vermisst. Der Anblick des weiblichen Genitals führt in Folge zum Kastrationsschreck. „Warum die einen infolge dieses Eindruckes homosexuell werden, die anderen ihn durch die Schöpfung eines Fetisch abwehren und die übergroße Mehrzahl ihn überwindet, das wissen wir freilich nicht zu erklären“ (Freud 1999: 385).

Der Fetisch ist, nach Freud [3], ein materieller Gegenstand, dem geheimnisvolle Macht zugeschrieben wird und der entsprechend verehrt wird, die Projektion einer Wunschvorstellung, die vor der vollständigen Wahrnehmung einer traumatisierenden Erfahrung schützen soll. Dabei wird der Fetisch selber zwar als Symptom aber nicht als Leiden empfunden, im Gegenteil: Von den Männern mit dem Fetisch-Syndrom sagt er, „meist sind sie mit ihm recht zufrieden oder loben sogar die Erleichterung, die er ihrem Liebesleben bietet“. Der Ursprung des Wortes allerdings beinhaltet bereits eine Kritik des Begriffes, aus dem „feitico“ (portugiesisch für Zauber oder Zaubermedium) entwickelten sich in den südeuropäischen Sprachen Denunziationen des Gefälschten und des Künstlichen.

[3] Sigmund Freud: Fetischismus (1927). In: Das große Lesebuch. Frankfurt/M 2009

 

Psychoanalytisch

Der Fetisch ist in der Psychoanalyse nicht eigentlich zu behandelndes Symptom neurotischer Störung, sondern eher Beiprodukt der Analyse. Er tritt während der Analyse zutage, ohne eigentlich Gegenstand zu sein. Denn der Fetisch gewährt dem Fetischisten, wie verstümmelt auch immer, doch die Möglichkeit sexueller Befriedigung und treibt ihn deshalb noch nicht zum Analytiker. Freud hat in seiner ersten kurzen Arbeit über Fetischismus bemerkt, dass die übermäßige Kastrationsangst des Knaben, die durch den Schock hervorgerufen wird, den der Anblick des penislosen weiblichen Genitals verursacht, nachdem eine Kastrationsdrohung erfolgt ist, ihn zu Ersatzbildungen des nicht vorhandenen weiblichen Penis zwingt, um die Wirkung der Kastrationsdrohung zu mildern. "Der Fetisch ist der Ersatz für den Phallus des Weibes (der Mutter) an den das Knäblein geglaubt hat und auf den es - wir wissen warum - nicht verzichten will" schreibt Freud. Warum der Knabe auf den weiblichen Phallus nicht verzichten will, ist unter der Bedingung der Kastrationsdrohung leicht zu verstehen, denn der fehlende weibliche Phallus lässt die Mutter als kastriert erscheinen, was der Realität der Kastrationsdrohung Nachdruck verleiht. Erweiternd oder einschränkend betont Freud am Schluß seiner Arbeit, daß das Normalvorbild des Fetisches der Penis des Mannes sei so wie die als Minipenis vorgestellte Klitoris der Frau. Festzuhalten ist jedoch, dass die Entstehung des Fetischismus mit der so genannten phallischen Phase der Entwicklung des Knaben verbunden ist, in der ja die Kastrationsdrohung auf die inzestuösen Wünsche des Knaben erfolgt. Es ist ontogentisch die Phase der Kastrationsdrohung und des Ödipuskomplexes, mithin des verstümmelten und zugleich des verstümmelnden, nämlich das weibliche Genitale verdrängenden Genitalprimats, der auch nach der so genannten Latenzperiode nur in einer phallischen Genitalität wieder belebt wird. Eine wirklich genitale Stufe sexueller Entwicklung, in der alle Stufen der sexuellen Entwicklung aufgehoben und auch das weibliche Geschlecht nicht verdrängt ist, bleibt der Freudschen Utopie vorbehalten, denn Freud selbst konnte die faktische Existenz einer genitalen Stufe der Entwicklung nicht konstatieren, jedenfalls hat er, wie er selbst betonte, niemals die Evidenz dieser Stufe angetroffen. Und das wundert uns nicht, denn phylogenetisch, wenn dieses Analogon einmal erlaubt ist, leben wir durchaus in einer Stufe der sexuellen Entwicklung, in der die Konkurrenz der konkurrierenden Phalli alle Produktionsverhältnisse bestimmt, die auf konkreter und abstrakter Leistung und Konkurrenz aufbauen. damit fällt zugleich das weibliche Geschlecht der Verdrängung anheim.
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Der Fetisch steht insofern für den Phallus der Frau, die ja keinen hat (auch die Klitoris zu "phallisieren", kann nicht darüber hinwegtäuschen), als er die Frau nun als phallische Frau in der phallisch strukturierten Gesellschaft substituiert. Einer der ältesten Fetische dieser Art ist das patriachale Bild der vollbrüstigen, gebärenden Mutter, ein Sexidol nicht nur patriachaler Gesellschaften, sondern auch überall dort, wo das weibliche Geschlecht auf Fruchtbarkeit reduziert wird.

 

 

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